Augenzeugenbericht zur Razzia mit Hausdurchsuchung im Club Westside Frauenfeld
Tag der Polizeikontrolle: Freitag, 14. August 2009
Ich bin Augenzeuge und war bei der Razzia live dabei, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt als Gast im Club Westside Frauenfeld aufhielt. Auch ich wurde als Gast von der Polizei kontrolliert.
Wie aus dem Nichts war plötzlich der ganze Garten des Westside mit Polizisten der Kantonspolizei Thurgau bevölkert. Sind die über den Zaun gehechtet? Einige schienen schusssichere Westen anzuhaben. Nackte mit Waffe? Aber sicher ist sicher. Jeder Polizist hatte seinen Ausweis gut sichtbar umgehängt.
Nach meiner persönlichen Wahrnehmung handelte es sich nicht um eine gewöhnliche stille Polizeikontrolle, sondern um eine grössere Razzia mit anschliessender Hausdurchsuchung.
Gäste mussten den Club Westside verlassen
Ein Gast und zwei Frauen wurden aus dem Pool geheissen. Danach wurde freundlich, aber klar kommuniziert: Alle Gäste sollten in die Garderobe gehen, sich anziehen und anschliessend zum Ausgang kommen.
Die Frauen wurden in den Garten spediert und mussten sich dort unter der Aufsicht mehrerer Polizisten versammeln.
Dass auch sämtliche Gäste den Club komplett verlassen mussten, war für uns etwas Neues. Entsprechende Nachfragen wurden freundlich, aber bestimmt beantwortet: Ja, alle Gäste müssen aus dem Club gehen.
Bei einer Hausdurchsuchung ergibt das irgendwo auch Sinn. Die Gäste würden sonst nur im Weg herumstehen.
So reagierte der Westside Geschäftsführer Urs Kipfer auf den Polizeieinsatz
Der Geschäftsführer Urs Kipfer wirkte verständlicherweise gereizt, blieb aber souverän. Auch die Supervisorin Rahel war ruhig und hatte die Situation aus meiner Sicht gut im Griff.
Jeder Gast erhielt als Entschädigung einen Eintrittsgutschein für einen späteren Besuch im Club Westside. Das war gut gemacht und entspannte die Stimmung bei vielen Gästen merklich.
Identitätskontrolle der Gäste am Ausgang
Beim Verlassen des Clubs wurde jeder Gast einzeln überprüft. Also Ausweis zücken, Personalien angeben und warten, während telefonisch bei der Zentrale nachgefragt wurde, ob man gesucht wird.
Dabei wurde der Name des jeweiligen Gastes am Telefon vernehmlich laut vorgelesen, sodass andere Anwesende mithören konnten, wie die einzelnen Gäste hiessen.
Naja. Diskret war das nicht. Ich halte dieses Vorgehen für ziemlich bedenklich.
Genau zum Zeitpunkt der Razzia waren zudem zwei neue Prostituierte zu ihrem ersten Arbeitstag im Club Westside eingetroffen. Beide waren Schweizerinnen. Da es bei der Kontrolle offenbar nicht nur um Ausweise und Bewilligungen ging, wurde die Situation trotzdem komplizierter. Geschäftsführer Urs setzte sich für die beiden Frauen ein.
Aufstand wegen der Ausweiskontrolle
Ein Gast kannte sich mit den Ausweisvorschriften offenbar nicht besonders gut aus und startete einen ziemlich sinnlosen Aufstand. Er behauptete, er müsse keinen Ausweis zeigen und müsse auch keinen dabeihaben.
Das mag grundsätzlich stimmen. Kann die Identität vor Ort aber nicht festgestellt werden, muss man halt unter Umständen mit auf den Polizeiposten in Frauenfeld. Das weiss man doch.
Der Polizist blieb jedenfalls ruhig und erklärte dem zunehmend erregten Gast seine Möglichkeiten. Da der Mann mit dem Auto da war, hätte der Polizist auch den Fahrausweis akzeptiert.
Der Gast sagte daraufhin, diesen habe er ebenfalls nicht dabei. Wahrscheinlich wollte er ihn einfach nicht zeigen. Das war allerdings ein ziemlicher Fettschuss. Man kann sich auch selber in die Pfanne hauen.
Frauen wurden nummeriert und einzeln befragt
Die Frauen wurden mit Armbändern durchnummeriert und danach einzeln befragt. Nach meinem Eindruck fand im Club Westside eine vollständige Hausdurchsuchung statt.
Niemand durfte alleine auf die Toilette. Spürhunde kamen allerdings nicht zum Einsatz. Vermutlich gab es dafür keine konkreten Anhaltspunkte.
Meine persönliche Einschätzung der Razzia im Westside
Das Westside erlitt durch den Polizeieinsatz natürlich kurzfristig eine finanzielle Einbusse. Der Clubbetrieb wurde unterbrochen, die Gäste mussten gehen und die anwesenden Frauen konnten in dieser Zeit ebenfalls kein Geld verdienen.
Trotzdem gibt es aus meiner Sicht auch klare Gewinner dieser Aktion.
1. Der Ruf des Club Westside
Da offenbar nichts Wesentliches zu beanstanden war, hat der Ruf des Westside durch diese Kontrolle aus meiner Sicht sogar gewonnen.
Wer sich dort als Gast vergnügt, konnte danach sozusagen amtlich kontrolliert davon ausgehen, dass die Clubleitung alles im grünen Bereich organisiert hatte und keine Schlampereien duldete. Ein amtlicher Persilschein, wenn man es etwas salopp ausdrücken möchte.
2. Die Clubleitung
Auch die Clubleitung ging für mich als Gewinnerin aus der Sache hervor. Sie reagierte trotz der unangenehmen Situation souverän und sorgte mit den Eintrittsgutscheinen dafür, dass die Gäste zumindest finanziell nicht ganz leer ausgingen.
Für die Gäste war die ganze Sache spannend, kurzweilig und sicher auch etwas unangenehm. Dank des Gratiseintritts war es finanziell für den einen oder anderen am Ende vielleicht sogar ein kleiner Gewinn.
Die anwesenden Frauen erlitten ebenfalls eine finanzielle Einbusse. Trotzdem gibt es ihnen hoffentlich ein gutes Gefühl, in einem Club zu arbeiten, in dem bei einer solchen Kontrolle offenbar alles korrekt ablief. Langfristig dürfte das auch mehr gute Gäste anziehen.
Wie verhielt sich die Kantonspolizei Thurgau?
Die Polizei war zumindest in dem Bereich, den ich selber beobachten konnte, gut organisiert, korrekt und freundlich. Sie handelte der Situation entsprechend und rückte weder mit Hunden noch mit Maschinenpistolen im Anschlag durch den Club.
Auch die Kantonspolizei Thurgau hat deshalb aus meiner Sicht nicht schlecht abgeschnitten. Wie Chomi bereits geschrieben hat: Kontrollen müssen halt hie und da sein.
Wenn das Ziel darin bestand, bestehende Vorwürfe, Gerüchte oder Beschwerden wegen möglicher illegaler Vorgänge zu überprüfen und Präsenz zu zeigen, dann hat die Polizei ihr Ziel erreicht.
Wenn das Ziel hingegen darin bestand, tatsächlich etwas Illegales oder Strafbares zu finden, dann blieb die Razzia offenbar ohne entsprechenden Erfolg.
War das Grossaufgebot überhaupt notwendig?
Ob man bemängeln muss, dass die Polizei überhaupt mit einem solchen Aufgebot im Club Westside auffuhr, ist fast schon eine philosophische Frage.
Es ist ein bisschen wie bei Geschwindigkeitskontrollen: Geht es darum, durch Kontrollen und sichtbare Präsenz sicherzustellen, dass sich möglichst alle an die Vorschriften halten?
Oder geht es darum, möglichst viele zu erwischen, am besten noch auf einer Strecke, auf der nach 25 Jahren plötzlich die Höchstgeschwindigkeit von 80 auf 60 reduziert wurde?
Für mich bleibt nach diesem Abend vor allem hängen: Die Razzia war gross, überraschend und für alle Beteiligten aussergewöhnlich. Der Club Westside und seine Leitung haben die Situation aber aus meiner Sicht souverän gemeistert.