Ich zitiere hier den Eingangspost aus dem Jahr 2008 Bordellsucht – süchtig nach käuflicher Liebe , mit dem spartaner
dieses Thema damals vor 18 Jahren angestossen hat. Auch nach all den Jahren hat dieser Beitrag nichts von seiner Aktualität verloren, im Gegenteil. Die Frage ist vielmehr: Was haben wir daraus gelernt? Inhaltlich passt der Text heute ebenso gut zur emotionalen Verstrickung und psychischen Konflikt von Julian Laval
Wenn Lust zur Flucht wird und der Club zur Gewohnheit – Bordellsucht & Abhängigkeit von käuflicher Liebe
Zwischen Leidenschaft, Kontrollverlust und emotionaler Leere
Bordellsucht ist ein Thema, über das kaum offen gesprochen wird und doch betrifft es weit mehr Männer, als man vermuten würde. Die Abhängigkeit von käuflicher Liebe, von Saunaclubs, Escort-Besuchen und immer neuen sexuellen Reizen, beginnt oft harmlos: aus Neugier, Lust, Einsamkeit oder dem Wunsch nach Abwechslung. Was als Genuss startet, kann sich schleichend zu einer emotionalen und psychischen Abhängigkeit entwickeln, bei der der Bordellbesuch zur Flucht aus dem Alltag wird.
Wenn Sex nicht mehr Begegnung ist, sondern Betäubung. Wenn der nächste Clubbesuch wichtiger wird als Beziehungen, Nähe oder Selbstreflexion. Wenn Gedanken kreisen, Ausreden konstruiert und innere Leere kurzfristig mit Lust gefüllt wird, dann stellt sich unausweichlich die Frage: Bin ich noch frei in meiner Entscheidung oder bereits gefangen in einem Muster?
Dieser Erfahrungsbericht beleuchtet ehrlich und ungeschönt den Weg in die Welt der käuflichen Liebe, den schmalen Grat zwischen Leidenschaft und Sucht, sowie die psychologischen Mechanismen hinter Bordellsucht, Sexsucht und emotionaler Abhängigkeit. Nicht als Anklage, sondern als Spiegel. Für alle, die sich selbst darin vielleicht wiedererkennen.
Mein Erfahrungen zur Sucht und Abhängigkeit:
Hallo zusammen, ich bin mittlerweile 50 Jahre alt und gehe seit bald 30 Jahren regelmäßig in Clubs oder zu WG’s. Wenn ich ehrlich bin und heute will ich das bewusst sein, dann habe ich in dieser Zeit eine Summe von rund 250.000 Franken für mein Hobby ausgegeben. Ja, ein Viertelmillion. Das klingt fast surreal, wenn man es schwarz auf weiß liest. Aber es ist nun mal so.
Und es ist nicht so, dass ich mit meinen Partnerinnen nie Sex gehabt hätte oder mir generell etwas fehlen würde im klassischen Sinne. Es war und ist vielmehr diese Gier nach Abwechslung. Dieses Prickeln, diese Möglichkeit, aus dem Alltag auszubrechen, für eine halbe oder ganze Stunde. Einfach Kopf aus, Hose runter, und in eine andere Welt abtauchen.
Es beginnt meist mit einem Gedanken, der sich im Kopf festsetzt und wenn der einmal da ist, bin ich kaum noch zu bremsen. Ich finde Ausreden, Zeitfenster, Möglichkeiten, um meinem Drang nachzugeben. Es fühlt sich an wie ein innerer Motor, der sich nicht abstellen lässt, bis ich den Kick geholt habe. Danach bin ich, meistens, zufrieden, manchmal aber auch frustriert. Je nachdem, wie der Zimmergang war, wie die Chemie war, oder ob ich mich danach leer fühlte.
Ich war sogar einmal in Therapie deswegen. Der Therapeut hörte sich meine Geschichte an und fragte mich dann ganz direkt:
„Na, steht er dir noch?“
Ich antwortete: „Ja, klar. Und wie!“
Seine Antwort: „Dann hast du (noch) kein Problem. Ich sage dir: Wenn er dir nicht mehr steht, dann hast du ein Problem.“
Diese Aussage hat mich nachdenklich gemacht und gleichzeitig irgendwie entlastet. Ich habe die Therapie abgebrochen. Vielleicht, weil ich keine Lust hatte, mich wirklich zu stellen. Vielleicht auch, weil ich es verdrängt habe.
Bin ich süchtig? Vermutlich ja.
Aber ist das schlimm? Darüber bin ich mir bis heute nicht im Klaren. In meinem Alltag funktioniert alles. Ich gehe arbeiten, habe Freunde, und die meisten in meinem Umfeld ahnen nichts von meinem Hobby. Aber manchmal, wenn ich nachts allein nach Hause fahre, denke ich mir: Wenn das alles mal rauskommt, dann könnte es einschlagen wie eine Bombe.
Und doch ist da diese Faszination. Diese Mischung aus Erotik, Nähe, der Illusion von Kontrolle und dem süßen Reiz des Verbotenen. Ich liebe den Moment, wenn ich einen Club betrete, die Musik leise läuft, schöne Frauen umherstreifen, ich frei wählen kann – wie ein König auf Zeit. Diese Macht, diese Augenhöhe, dieser Tanz aus Nähe und Distanz. Für viele Männer ist das ein gelebter Traum, für manche ein gefährliches Pflaster.
Ich weiß auch: Nicht wenige der Girls machen diesen Job nicht aus Leidenschaft, sondern aus Not. Und doch – ich behandle sie mit Respekt, bin zärtlich und einfühlsam. Es gibt für mich keinen Grund, mich dafür zu schämen. Ich tue mir etwas Gutes – und wenn es für das Girl auch passt, umso besser.
Doch die Wahrheit ist auch: Ich bin nicht mehr derselbe wie früher. Ich bin älter geworden. Reifer? Vielleicht. Und ich frage mich inzwischen öfter: Was fehlt mir eigentlich wirklich? Ist es nur der Sex? Oder suche ich eigentlich Nähe? Geborgenheit? Oder gar ein Stück Kontrolle in einer Welt, in der mir vieles entgleitet?
Bordellsucht ist ein schleichender Prozess. Sie beginnt nicht mit einer Entscheidung – sondern mit einem Gefühl.
Und sie wird genährt von unserer Gesellschaft, von unserem Bild von Männlichkeit, von dieser unausgesprochenen Erlaubnis, dass wir Männer uns "doch was gönnen dürfen". Und manchmal ist das auch okay. Aber wenn aus Lust ein Fluchtverhalten wird, wenn das Verlangen größer wird als der Verstand, dann wird es gefährlich.
Ich schreibe das hier nicht, um Mitleid zu bekommen. Ich schreibe es, weil ich weiß, dass ich nicht allein bin. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen, sich selbst zu reflektieren. Vielleicht entsteht hier ein ehrlicher Austausch. Vielleicht macht das Reden darüber den Unterschied.
Und am Ende bleibt die Frage:
Ist es wirklich Sucht? Oder einfach nur eine moderne Form von Sehnsucht?
Bin gespannt auf eure Gedanken dazu.
Euer Spartan