Respektloses Verhalten im Club
Ich kann die Sicht eines Gastes hier gut nachvollziehen. Sobald Emotionen und Gefühle für eine Frau im Club ins Spiel kommen, kippt die Situation schnell. Der Gast nimmt dann vieles persönlich, wird empfindsamer und fühlt sich schneller verletzt.
Mir fällt schon lange auf, dass es auf beiden Seiten nicht unbedingt am Wissen mangelt, weder bei den Gästen noch bei den Frauen. Es fehlt vielmehr oft an Empathie, Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und der Fähigkeit, sich in die Lage des Gegenübers hineinzuversetzen. Manche scheinen nicht wirklich zu verstehen, was ihr Verhalten beim anderen auslösen kann.
Bösartigkeiten wie Wut, Rache, Demütigung, Egoismus oder Schadenfreude können in solchen Konstellationen auf beiden Seiten entstehen und zu speziellen Verhaltensweisen führen. Bei Frauen in Clubs ebenso wie bei Gästen. Manches davon läuft unbewusst ab, manches wird aber auch bewusst und vorsätzlich ausgelebt.
Knackpunkt: Sobald Emotionen und Gefühle beim Gast ins Spiel kommen, wird es kompliziert
Dazu muss man die psychologischen Hintergründe von Hure und Freier zumindest in Ansätzen verstehen. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern um ein explosives Spannungsfeld aus Nähe, Geld, Begehren, Abhängigkeit, Abwehr und Enttäuschung:
Huren tragen grundsätzlich einen Hass auf Freier in sich
Die Hure begehrt das Geld des Freiers über alles! muss dafür aber mit ihm intim werden, obwohl sie sexuell oder emotional nicht auf ihn steht. Meistens findet sie den Kontakt sogar als unangenehm oder abstossend. Daraus entsteht innerer Widerstand und Hass. Sie lebt permanent im Widerspruch, in einer Spannung zwischen wirtschaftlichem Interesse und persönlicher Abgrenzung. Einerseits will sie das Geld, andererseits muss sie Nähe, Intimität und sexuelle Verfügbarkeit gegenüber Männern herstellen, die sie privat nicht wählen würde. Aus dieser Ambivalenz entstehen Distanz, innere Abwehr sowie Verachtung und Hass gegenüber Freier. Das muss nicht immer bewusst sein, kann sich aber in verschiedenen respektlosen Verhaltensweisen gegenüber Freiern zeigen. Für den Freier ist genau dieser Widerspruch besonders gefährlich, sobald Gefühle ins Spiel kommen. Er erlebt Nähe, Küsse, Zärtlichkeit und schöne Worte, vergisst dabei aber leicht, dass er für sie weiterhin immer ein zahlender Kunde bleibt. Aus diesem Grund wird ein Freier nie das Herz einer Hure erobern können. Solange er in ihrer Wahrnehmung zur Kategorie Freier gehört, bleibt echte Liebe, Beziehung und Respekt eine Illusion, die im Kopf des Freiers entsteht als in der Realität.
Freier können innerlich Wut und Hass auf Huren entwickeln
Der Freier muss für die Hure immer bezahlen! Gleichzeitig kann er sie privat bzw. ohne Geld nicht haben. Genau darin liegt für viele ein schmerzhafter Punkt: Egal wie hoch die Summen sind, die er ihr zahlt: Zuneigung, echte Nähe und Begehren lassen sich nicht kaufen! Dieses Abhängigkeitsverhältnis kann innere Unzufriedenheit, Kränkung, Wut und Hass auf die Hure erzeugen. Der Freier will Nähe, kommt aber an ihr Herz nicht ran und bekommt immer nur eine bezahlte Situation. Er will sich begehrt fühlen, weiss aber gleichzeitig, dass Geld die Grundlage dafür ist. Das kann ähnlich wie bei Suchtmechanismen zu einem Kreislauf aus Verlangen, kurzfristiger Befriedigung und anschliessender Ernüchterung führen.
Freier können auch Wut und Hass auf Clubs entwickeln
Der Club steht für den Freier zwischen ihm und der Frau. Er kommt an dieser Struktur nicht vorbei. Der Club regelt Zugang, Preise, Bedingungen und Verfügbarkeit. Schon das Gefühl, dass der Club ihn begrenzen oder daran hindern könnte, eine Frau wirklich für sich zu haben, kann Frust und Wut auslösen. Besonders deutlich wird das bei einem Hausverbot oder bei der Androhung eines Hausverbots. Wird dem Freier der Zugang zum Club verwehrt, verliert er damit zugleich den direkten Zugang zu seiner Favoritin. Gerade der verliebte Freier bekommt in diesem Moment das Abhängigkeitsverhältnis und seine eigene Unfreiheit besonders deutlich zu spüren. Der Club ist dann nicht mehr nur Ort der Begegnung, sondern wird zur Grenze zwischen Wunsch, Nähe und Realität. Damit muss sich der Freier dem Club bis zu einem gewissen Grad unterordnen. Er muss aufpassen, wie er sich verhält, was er sagt und was er schreibt. Wer emotional an einer Frau hängt, bekommt diese Abhängigkeit besonders stark zu spüren, weil jede Kritik, jeder Konflikt und jedes Missverständnis den Zugang zur Favoritin gefährden kann. Deshalb ist eine emotionale und gefühlstechnische Bindung an eine Frau im Club besonders kritisch zu hinterfragen. Je stärker die Bindung wird, desto stärker wird auch die Abhängigkeit von einem Umfeld, das der Freier selbst nicht kontrolliert.
Ein System voller Widersprüche
Das Ganze besteht aus einem Widerspruch in sich. Sobald Gefühle, Eifersucht, Kränkung oder Erwartungen dazukommen, wird aus einem eigentlich klar bezahlten Rahmen schnell ein psychologisch kompliziertes Spiel. Genau dort entstehen viele Missverständnisse, Verletzungen, Machtspiele und Enttäuschungen. Das kann man aus den Beiträgen immer wieder deutlich herauslesen.