Genau. Das sagen mir die Damen im Club auch, mit welchen ich ein engeres Verhältnis habe.
Ihre Aussagen:
"Die grosse Mehrzahl der Zimmer sind nicht schön, viele Kunden sind respektlos, einige Kunden haben es nicht so mit der Körperhygiene. Auch ausgefallene, komische Fantasien und Wünsche belasten."
Klagen, Schuldgefühl, Manipulation und die Falle der Überkompensation
Das Klagen einer Prostituierten war schon immer Teil einer gezielten Verkaufs- und Bindungsstrategie!
Es spricht beim Freier Empathie, Verantwortungsgefühl und Beschützerinstinkt an. Was nach persönlicher Offenheit, besonderem Vertrauen oder echter Hilfsbedürftigkeit aussieht, ist ein Verhaltensmuster, das emotionale Nähe und Bindung erzeugt und die Zahlungsbereitschaft erhöht. Klagen gehört zum Geschäft!
Organisationen und Fachleute beschreiben solches Verhalten als psychologisches Phänomen und als einstudiertes Verhaltensmuster der Prostituierten. Als Überlebensstrategie, emotionale Fassade oder Manipuliation. Entscheidend ist dabei nicht, ob jede geschilderte Notlage erfunden ist. Entscheidend ist, welche psychologische Wirkung sie beim Freier entfaltet und wie diese Wirkung innerhalb des Bezahlverhältnisses genutzt werden kann.
Ein Todesfall macht manche Freier emotional besonders empfänglich
Gerade jetzt, nachdem am vergangenen Wochenende eine Prostituierte in einem Club verstorben ist, werden manche Freier innerlich weich. Das lässt sich auch aus verschiedenen Beiträgen im Forum herauslesen. Der Tod einer jungen Frau löst Trauer, Mitgefühl und Nachdenklichkeit aus. Das ist menschlich und grundsätzlich nicht falsch.
Problematisch wird es jedoch, wenn aus der Betroffenheit ein persönliches Schuldgefühl entsteht. Manche Freier beginnen darüber nachzudenken, ob sie Frauen im Club bisher zu wenig menschlich, zu wenig empathisch oder zu wenig einfühlsam behandelt haben. Daraus kann schnell der Wunsch entstehen, künftig besonders verständnisvoll, grosszügig und beschützend aufzutreten.
Genau an diesem Punkt beginnt die Gefahr der Überkompensation.
Der Freier versucht dann nicht mehr nur, respektvoll mit einer Prostituierten umzugehen. Er will eigene Schuldgefühle beruhigen, etwas wiedergutmachen oder sich selbst beweisen, dass er zu den angeblich guten und verständnisvollen Männern gehört. Dadurch macht er sich selbst emotional leichter steuerbar.
Vom Freier zum Retter
Signalisiert eine Prostituierte finanzielle Sorgen, Beschwerden über andere Freier, familiäre Probleme, emotionale Verletzlichkeit oder persönliche Abhängigkeit, entsteht beim Freier leicht das Gefühl, gebraucht zu werden. Er verlässt innerlich die Rolle des Freiers und setzt sich selbst in die Rolle des Retters, Beschützers oder vermeintlich besonderen Vertrauten.
Nach einem tragischen Todesfall kann diese Dynamik noch stärker wirken. Der Freier denkt, er müsse Frauen im Club nun besonders helfen, sie emotional auffangen oder vor der Härte der Branche schützen. Dabei übersieht er leicht, dass Respekt und Menschlichkeit nicht bedeuten, jede Geschichte zu glauben, jede finanzielle Forderung zu erfüllen oder persönliche Verantwortung für das Leben einer Prostituierten zu übernehmen.
Psychologisch wirken dabei vor allem Empathie, Projektion, Schuldgefühl und Überkompensation. Der Freier überträgt eigene Wünsche nach Nähe, Bedeutung und moralischer Aufwertung auf die Situation. Er deutet geschäftlich erzeugte Vertrautheit als persönliche Beziehung und glaubt, hinter die gespielte Fassade der Prostituierten vorgedrungen zu sein.
Empathie ist richtig, der Verlust eigener Grenzen nicht
Die Gefahr liegt nicht in der Empathie selbst. Eine Prostituierte respektvoll, höflich und menschlich zu behandeln, sollte selbstverständlich sein. Gefährlich wird es dort, wo Mitgefühl den Realitätssinn ersetzt.
Je stärker sich ein Freier als Retter oder als besonderer Vertrauter einer Prostituierten erlebt, desto leichter verliert er den Blick für das tatsächliche Verhältnis. Aus einer bezahlten Begegnung wird in seiner Wahrnehmung eine emotionale Verpflichtung. Geldzahlungen, Geschenke, private Hilfe und ständige Unterstützung erscheinen ihm dann nicht mehr als Teil eines Geschäfts, sondern als Beweis seiner besonderen Stellung und seiner angeblichen Menschlichkeit.
Ein Todesfall im Rotlichtgewerbe sollte zu Respekt, Nachdenklichkeit und einem würdevollen Umgang führen. Er sollte aber nicht dazu führen, dass Freier aus Schuldgefühl ihre eigenen Grenzen aufgeben und sich emotional manipulieren oder finanziell ausnutzen lassen.
Deshalb gilt gerade jetzt: Mitgefühl ja, Schuldgefühl und Überkompensation nein. Vorsicht!