Heinerichs Absturz..... "Schau, er kann es nicht".... Die Demütigung eines Mannes
Lieber Joseffson
Dein Beitrag hat mich erwischt. Nicht so ein bisschen. Eher so, dass man liest, kurz wegschaut und merkt: Mist, das kenne ich. Nicht aus Büchern, nicht aus irgendeinem Podcast, sondern aus meinem eigenen Wohnzimmer.....lach....wenn man da überhaupt noch lachen kann.
Ich war genau dieser Mann. Geduldig. Verständnisvoll. Immer bemüht, immer vorsichtig, immer mit diesem Gedanken: Wenn ich nur richtig zuhöre, wenn ich nur besser werde, wenn ich nur noch einmal frage, wie sie richtig befriedigt werden will, dann wird es schon.
Wurde es nicht.
Meine Frau, von der ich seit zwei Monaten getrennt bin, hatte in unserer zweijährigen Ehe mehrere Affären. Nicht so ein Ausrutscher mit Alkohol und schlechtem Gewissen. Nein. Männer. Mehrere. Männer, bei denen sie sich holte, was ich ihr offenbar nicht geben konnte. Ich wusste es erst nicht. Dann ahnte ich es. Dann wusste ich es. Und ab diesem Moment war ich nicht mehr derselbe.
Ich war eifersüchtig, gekränkt, beschämt und trotzdem abhängig von ihr. Komplett bescheuert eigentlich. Ich wollte sie nicht verlieren, obwohl ich längst gemerkt hatte, dass ich sexuell für sie nicht mehr wirklich existierte. Anfang des Jahres stellte sie mich dann vor die Wahl. Ganz ruhig. Fast geschäftlich. Entweder ich akzeptiere, dass sie sich holt, was sie braucht, oder sie geht.
Und ich? Ich habe es akzeptiert. Natürlich nicht, weil ich so modern war. Nicht, weil ich darüber stand. Sondern weil ich innerlich schon so weichgekocht war, dass ich keine Konsequenz mehr ziehen konnte.
Sie sagte mir immer wieder, ich könne sie nicht richtig lecken....nicht richtig vögeln....sie nicht befriedigen...sie wird nicht feucht. Ich versuchte, auf ihre Anweisungen zu hören....ihre Klitoris zu stimmulieren wie sie es wollte. Wirklich. Aber es war immer falsch. Einmal zu sanft. Dann zu grob. Dann die falsche kreisende Richtung, zu mechanisch. Dann zu vorsichtig. Bei ihren Brüsten und Warzen genau dasselbe. Beim Sex auch. Einmal zu langsam. Anderes mal zu intensiv stochernd. Zu wenig Gefühl. Zu viel Druck. Ich kam mir irgendwann nicht mehr wie ein Mann vor, sondern wie ein Schüler in einer Prüfung, bei der die Lehrerin schon vorher weiss, dass er durchfällt.
Das frisst sich rein. Erst in den Kopf, dann in den Körper. Irgendwann lag ich neben ihr und dachte nur noch: Gleich mache ich wieder etwas falsch. Gleich kommt wieder dieser Blick. Gleich bin ich wieder der Mann, der es nicht bringt. Und dann ging irgendwann gar nichts mehr. Keine Erektion mehr. Nichts. Kopf tot. Körper tot. Männlichkeit irgendwo im Keller eingeschlossen.
Der schlimmste Abend?
Ja, den gibt es....Natürlich gibt es den. Solche Geschichten haben immer diesen einen Abend, an dem man später denkt, da hätte ich sofort gehen müssen. Genau da.
Sie hatte einen neuen Arbeitskollegen zum Nachtessen bei uns zuhause eingeladen. Angeblich, um ihn mir vorzustellen. Ich merkte schon beim Essen diese Spannung zwischen den beiden....Diese Blicke....Dieses kleine Lächeln.....Diese beiläufigen Berührungen. Dieses Umgarnen. Ich sass am Tisch und wusste plötzlich, ich bin hier nur noch der Trottel mit Besteck in der Hand. Nicht mehr der Mann im Raum.
Dann sagte sie es. Einfach so. Während des Essens. Dass sie mit ihm eine Affäre hat. Ganz ruhig. Fast sachlich. Und im gleichen Atemzug... Sie liebe mich trotzdem.
Liebe mich trotzdem.....ja klar.....was soll man darauf sagen?
Nach dem Essen ging sie kurz ins Bad. Ich hörte Wasser, Schubladen, Schritte. Dann kam sie zurück an den Tisch. Strapse....Strümpfe....Highheels. Dessous, die ich an ihr noch nie gesehen hatte. Dieser Stich sitzt heute noch. Genau da. Nicht im Kopf. Tiefer.
Sie setzte sich auf die Couch, bat ihren Arbeitskollegen zu sich und sagte, ich solle genau hinschauen. Ich solle lernen, wie man eine Frau richtig verwöhnt. Ich sass da. Gelähmt. Wie ein Zuschauer in meinem eigenen Untergang.
Er berührte sie mit einer Selbstverständlichkeit....vor mir öffnetete sie seine Hose.....und blies ihn hart, er leckte sie... Und sie? Sie war nicht angespannt, nicht genervt, nicht prüfend. Sie liess sich fallen. Sie wand sich vor Lust, reagierte mit Stöhnen als er sie von hinten nahm. Und dann dieser Moment, dieser Höhepunkt, dieses völlige Loslassen, das ich ihr seit unserer Ehe nicht mehr bieten konnte.
Ich sah nicht nur einen anderen Mann vor meinen Augen mit meiner Frau vögeln. Ich sah, was bei mir nicht mehr möglich war. Das ist der Unterschied. Eifersucht ist schlimm. Aber ersetzt zu werden und dabei noch Unterricht zu bekommen, das ist eine andere Liga.
Danach sollte ich ran....Natürlich....Jetzt ich. Jetzt der Ehemann. Jetzt der Versager im Nachtest.
Und natürlich ging bei mir nichts.
Keine Erregung. Keine Kraft. Kein Zugriff auf mich selbst. Nur Blockade. Nur Scham. Nur dieser leere Körper, der nicht mehr macht, was er soll.
Dann sagte sie zu ihrem Arbeitskollege: „Schau, er kann es nicht.“
Dieser Satz. Mein Gott. Kein Schreien, kein Streit, kein Drama. Nur diese kalte Feststellung. Wie ein Urteil. Wie ein Stempel. Wie ein Ende. Ich bin hinaus auf den Balkon gegangen über die Stadt geschaut und habe geweint....nicht so ein bisschen. Ich habe geweint wie jemand, der merkt, dass in ihm gerade etwas endgültig kaputtgegangen ist und ich wollte vom Balkon hinunter springen um dem Schmerz ein Ende zu setzen. Dann brach ich auf dem Balkon zusammen. Zwei Wochen später sass ich beim Psychotherapeuten. Eifersucht, Scham, Wut, Erniedrigung, sexuelle Blockade, Suizidgedanken. Alles auf einmal.....
Darum habe ich dich, Virusv9
gefragt, was du damit meinst, dass man in der Clubwelt über sich hinauswachsen kann. Für mich steckt dahinter die Frage, ob ein Mann, der so zerlegt wurde, überhaupt wieder ein Gefühl für sich selbst bekommen kann.
Ein Freund sagte, komm mit in einen Club, wir ziehen zusammen eine Linie Koks....dann klappt das schon, dann bist du wieder locker und ein Mann....und hast deine Sorgen vergessen.
Ich weiss nicht....ehrlich nicht....was soll ich tun?
Und trotzdem reizt es mich nach vielen Jahren wieder in einen Club zu gehen. Das ist ja das Kranke daran. Nicht wegen irgendeiner grossen Fantasie. Sondern weil ich einmal wieder erleben möchte, dass eine Frau mich nicht prüfend ansieht. Nicht enttäuscht. Nicht mit diesem Blick, der schon vorher sagt, du kannst es nicht. Ich habe Angst, im Zimmer im Club zu blockieren. Angst, dass nichts funktioniert. Angst, dass sie zwar freundlich bleibt, aber innerlich genau dasselbe denkt wie meine Frau: Schau, er kann es nicht.
Deshalb meine Frage an dich Virusv9
und auch an dich Joseffson
Wie geht man in so eine Situation hinein, wenn man innerlich nicht stark ist, sondern mit zitternden Knien vor der eigenen Demütigung steht und wieder sexmässig auf die Beine kommen will?