„Wem kann bei der Polizei noch getraut werden..“ – Rotlichtmilieu erhebt schwere Vorwürfe gegen Zürcher Polizei
Der Skandal um den sogenannten „Zürcher Polizei-Sumpf“ zieht immer weitere Kreise. Während bereits mehrere Beamte der Fachgruppe Milieu- und Sexualdelikte der Stadtpolizei Zürich wegen Korruption, Amtsmissbrauch und Begünstigung ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten sind, melden sich nun auch Betreiber aus dem Zürcher Rotlichtmilieu öffentlich zu Wort.
Insbesondere rund um die Langstrasse im Zürcher Kreis 4, einem der bekanntesten Rotlichtviertel der Schweiz, berichten Betreiber und Frauen aus der Szene von jahrelangen Spannungen zwischen Polizei und Milieu. Dabei stehen Vorwürfe im Raum, die von Schikane-Kontrollen und wirtschaftlichem Druck bis hin zu mutmasslichen sexuellen Gefälligkeiten gegenüber Polizeibeamten reichen.
Im Zentrum der aktuellen Diskussion steht die Frage, ob einzelne Beamte der Sittenpolizei Zürich ihre Machtstellung missbraucht haben könnten. Aussagen aus dem Milieu sprechen von häufigen Kontrollen, massivem Druck auf Betreiber und Frauen sowie von einem Klima des Misstrauens zwischen Behörden und der Rotlichtszene.
Besonders brisant: Einige der Vorwürfe deuten darauf hin, dass das Verhältnis zwischen Polizei und Rotlichtmilieu in einzelnen Fällen weit über das hinausgegangen sein soll, was in einem Rechtsstaat akzeptabel ist. Die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Zürich sollen klären, in welchem Umfang tatsächlich Korruption, Amtsmissbrauch oder Begünstigung stattgefunden haben.
Der folgende Pressebericht dokumentiert Aussagen aus dem Zürcher Rotlichtmilieu zu den Vorgängen rund um die Sittenpolizei und zeigt, wie tief das Vertrauen zwischen Szene und Behörden erschüttert ist.
Nachfolgend der Pressebericht:
Schikane-Kontrollen, Gratis-Sex, Erpressung
Das Milieu rechnet ab!
Abbas Sin hat lange geschwiegen. Jetzt sei die Zeit da, diesem «Katz-und-Maus-Spiel» ein Ende zu setzen. «Ich will der Polizei kein Geld geben. Und auch keine Frauen», sagt er.
Abbas Sin (45) hat genug. Der Besitzer der Lambada-Bar an der Zürcher Langstrasse fühlt sich von der Polizei schikaniert. «Ich bin seit 20 Jahren an der Langstrasse. Wir hatten nie Probleme, bis die Sittenpolizei kam», sagt er.
Jetzt, wo gegen Beamte der Abteilung Milieu- und Sexualdelikte wegen Korruption ermittelt wird (BLICK berichtete), ist sich Sin sicher: An der Langstrasse lief über Jahre ein abgekartetes Spiel. Fast täglich habe es Kontrollen in seinem Lokal gegeben, sagt er. «Sie gehen in die Zimmer der Frauen und filzen unsere Gäste.» Auf fünf Seiten hat er jeden Polizeieinsatz in seinem Lokal dokumentiert. Sein Umsatz sei in den letzten drei Jahren um 70 Prozent zurückgegangen, behauptet Sin. Der Grund: Stammgäste wanderten ab ins Chilli’s. Dorthin, wo angeblich die Polizei die Geschäfte regelte.
Doch die Vorwürfe wiegen noch schwerer. Olivia* (22) aus Rumänien ist Mieterin eines Zimmers über der Lambada-Bar. Sie berichtet BLICK von sexuellen Übergriffen: «Ich habe mit zwei Polizisten geschlafen. Wenn wir nicht tun, was sie sagen, drohen sie uns mit Ausweisung.» Sie und ihre Kolleginnen würden auch immer wieder grundlos gebüsst: «Wir müssen zahlen, aber erhalten keine Quittung.»
Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, reagiert betroffen auf die Aussagen. «Im Milieu kursieren immer wieder solche Gerüchte, konkreten Hinweisen gehen wir nach», sagt er zum Sexverdacht. Den Vorwurf der Erpressung weist er aber klar zurück.
Es gebe auch keine Zimmerkontrollen. Dafür bräuchte es einen Hausdurchsuchungsbefehl. Personenkontrollen könnten vorkommen, aber Cortesi betont: «Schikane-Kontrollen finden ganz klar nicht statt.»
Abbas Sin hat lange geschwiegen. Jetzt sei die Zeit da, diesem «Katz-und-Maus-Spiel» ein Ende zu setzen. «Ich will der Polizei kein Geld geben. Und auch keine Frauen», sagt er. Und behauptet: «Die Polizei macht das Quartier kaputt.»
Bei der Stadtpolizei ist man sich der Brisanz der Aussagen bewusst, verweist allerdings auf die laufenden Verfahren gegen die betroffenen Beamten. «Die Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Herbst letzten Jahres, wir setzen alles daran, lückenlos aufzuklären», verspricht Cortesi. Den Frauen der Lambada-Bar rät die Stadtpolizei, sich bei entsprechenden Stellen zu melden. Es gebe auch soziale Einrichtungen, an die man sich wenden könne.
Aus Angst vor den Konsequenzen verzichteten Olivia und ihre Kolleginnen bisher darauf. «Wir haben Kinder zu Hause, wir wollen keine Probleme», sagt sie. Die will auch Barbesitzer Sin nicht. Sein Schritt an die Öffentlichkeit sei ein Versuch, die Beamten zum Handeln zu bringen. Denn: «Wem sollen wir bei der Polizei jetzt noch trauen?»
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Abbas Sin (45) ist Besitzer der Lambada-Bar. Er protokolliert die Polizeieinsätze in seinem Lokal.
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Der Kontrollbogen der Polizeieinsätze.
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Olivia (22) wurde regelmässig in ihrem Zimmer kontrolliert. Auch zu Sex mit Polizisten sei es gekommen.





















