Müssen sich die Damen des horizontalen Gewerbes an die Vorschriften der Produkte-Deklaration halten? Ein Ostschweizer Wochenblatt greift eine Reklamation eines Rotlicht-Kunden auf und geht der Frage nach. Zwei ganz launige Texte für einen lauen Sommerabend.
Viel Vergnügen bei der Lektüre - Salt'n'Pepper
[INDENT]«Mich regt dä Sexbschiss uf» Die Klage des jungen Mannes, Konsument des lokalen Sexgewerbes, ist nicht ganz unberechtigt. Wie jede Berufsbranche unterliegt auch das Sexgewerbe der Verpflichtung, in seinen Eigenanpreisungen in Bild und Text der Wahrheit zu folgen. Doch nicht immer ist das so.
An den Beginn das Wort des «Freiers und Kunden» in Personalunion: Markus H. gibt seiner Empörung Ausdruck – und steht damit innerhalb des «inner circle» der Sexdienstleistung als Konsument wohl nicht alleine da – dass manche Sexanbieterinnen es in ihrer Eigenanpreisung mit den Tatsachen nicht so genau nehmen. Da herrscht oftmals zwischen Faktum und Realität eine gar gewaltige Lücke. Indem eigene äusserliche Vorzüge so schön geredet werden, wie man selber «schön» sein möchte – es aber leider nicht immer ist. Es wird da also ziemlich unverfroren geschummelt, was manchen Kunden sauer wie Tafelessig aufstösst. Die Branche selbst scheint dies kaum gross zu kümmern – Kunststück: die Nachfrage boomt trotzdem.

Markus H., Freier und SexFreiluftfanatiker: «Die Milieudamen sollen in ihren Anpreisungen die Wahrheit sagen...!»
Dichtung und Wahrheit
WIL/BÜTSCHWIL/MÜNCHWILEN Im eigenen Anpreisungstext schummeln die «Damen» des Milieus öfters. Gemäss Vorgaben der «Eidg. Wettbewerbskommission» sind Anbieter egal welcher Branche in der Offerte zur Wahrheit verpflichtet. Unabhängig von Form oder Beschaffenheit des «Produkts». Sexanbieterinnen rund um Wil halten sich nur sehr beschränkt daran.
Patrik Ducrey, Medienchef der «Eidg. Wettbewerbskommission» auf unsere unorthodoxe Anfrage mit Humor: «Nein, in dem Sinne und Kontext sind die schweiz. Wettbewerbsregeln nicht auszulegen», lacht er dröhnend. «Unsere Institution erachtet es a priori nicht als Aufgabe, darauf Einfluss zu nehmen, dass (Ostschweizer) Sexanbieterinnen optisch dem entsprechen, was sie versprechen!»
Humorvoller Preisüberwacher
Ebenso locker Stefan Meierhans, Helvetiens Preisüberwacher auf die Frage, ob es rechtens sei, wenn ein Freier den ausgehandelten Liebeslohn kürze, so die Äusserlichkeit der «Dame» nicht mit ihrem Anpreisungstext konvergiere. «Wir schreiten ein», so Preisüberwacher Meierhans mit hörbarem Schmunzeln auf den Stimmbändern, «wo das Marktgefüge sich auf Basis von Preisüberschreitung etc. in Schieflage befindet. Wenn Damen des Milieus sich im Inserat schöner zeichnen, als sie sind, sehen wir Null Handlungsbedarf!»
Worum geht es? Auslöser für die Lokalrecherche in Agglomeration von Wil, Bütschwil, Münchwilen, Matzingen und Flawil war die geharnischte Beschwerde eines gewissen Markus H. Der junge Mann ist bekennender Freier und Freiluft-Sexausüber. Ebenso gesteht er nicht ohne Stolz, sich bei Bedarf schon mal als Gigolo zur Verfügung zu stellen. «Nein, nicht hauptberuflich», grinst er, «aber spontane Aufträge seitens weiblicher Kundschaft führe ich aus. Was mich kolossal ärgert, sind Sexarbeiterinnen, die sich im Werbetext als «Schönheiten» vorstellen, aber als Männerschreck auftreten!»
Wir gingen der «Klage» nach und sahen erstaunt: die Beschwerde des vielseitigen Markus H. war berechtigt. Folgend einige authentische Beispiele, den Medien im OText entnommen.
Ächts Schwiizer Maitli
OriginalText Sexanbieterin: «Neu in Wil: Serena, 18, höllenscharf! Tel. 078...» Als wir beim Privathaus in Rossrüti klingeln, öffnet eine bedauernswert verhärmt aussehende Mittvierzigerin im abgewetzten Bademantel, Zigarette im Mund. Wo die 18Jährige sei? «Die hat frei» so die mürrische Antwort. Als wir auf die Differenz zwischen Angebot und Realität resp. Dichtung und Wahrheit hinweisen, folgt blitzschnell: «Chasch verreise, Ars..och!»
Nächste Wiler Destination: «Geile Liebesdomina mit Prostatamass.» Dass wir nicht wissen, was das ist, weckt die Neugier. Peinlich nur, dass auch die blutjunge Frau keinen Schimmer hat. Sie spricht kein Wort Deutsch, sondern symbolisiert mit Kopulationsbewegungen unterm Türrahmen ihre Bereitschaft zur Dienstleistung, auf die «Mann» gerne verzichtet Prostatamass hin oder her.
Total unwahr das nächste Angebot in Bütschwil: «Ächts Schwiizer Maitli naturgeil besorgts dir megageil! Tel. 079 /...» Es öffnet uns aber, oh Überraschung, ein Mann, ca. 30jährig. «S’Schwiizer Maitli chunnt grad, wötsch en Drink? Kostet separat!» Er sei «Partner und Manager» der Dame, die auch nach 15 Minuten noch nicht aufgetaucht ist. Wir verzichten auf Drink und Schwiizer Maitli und erleben beim nächsten Fall die absolute Krönung, ein wahrer Rechercheglückstreffer.
«Bist du ein Zocker, ja?», fragt die hochgewachsene Deutsche nahe Aadorf, die sich als «Super Traumfrau» angeboten hatte. Sie legt eine angezündete Zigarette auf den Aschenbecher. «Wenn du fertig bist, bevor die Asche runter fällt, zahlst du halben Preis – sonst das Doppelte!» Wir fragen sie, ob so was legal sei? Eindrückliche Reaktion: wir fliegen innert 10 Sekunden raus.
Gibt es ehrliche Anbieter? Ja!
«Sehen Sie, bei uns ist solcher Beschiss nicht möglich» sagt Arnold K. Chef der «Kontakt Bar Big Apple» bei Matzingen, «unser Kunde sieht das Girl und entscheidet sich pro oder contra – kein Schwindel und keinerlei Abzocke!»
Ebenso dezidiert die Pächterin des «Enigma» direkt an der Kantonsgrenze in Münchwilen, Frau Draga Wyss: «Wir spielen hier mit offenen Karten. Nichts Unüberprüfbares wird behauptet. Dafür ist der Konkurrenzkampf schlicht zu hart!» Nun ja, gelobt sei, was hart macht!

Geschäftsführer Arnold K. 32, von der «Kontaktbar Big Apple» nahe Matzingen: «Bei uns sind falsche Anpreisungen über das Aussehen der Girls unmöglich der Kunde wählt nur aufgrund seiner optischen Präferenz das Objekt seiner Begierde aus.»[/INDENT]