Zürcher Polizei-Sumpf: Korruptionsskandal im Rotlichtmilieu erschüttert die Stadtpolizei
Der Fall, der später unter dem Begriff „Zürcher Polizei-Sumpf“ bekannt wurde, zählt zu den schwersten Skandalen rund um Polizei, Rotlichtmilieu und Sexclubs in Zürich. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten zu spektakulären Razzien im Zürcher Nachtleben und zu Verhaftungen innerhalb der eigenen Reihen der Polizei.
Besonders brisant: Mehrere der festgenommenen Beamten gehörten ausgerechnet jener Einheit an, die für Kontrollen im Rotlichtmilieu, in Bordellen und Sexclubs zuständig ist – der Fachgruppe Milieu / Sexualdelikte der Stadtpolizei Zürich. Gegen die Polizisten wurden schwere Vorwürfe erhoben, darunter Bestechlichkeit, Begünstigung und Amtsmissbrauch.
Die Ermittlungen standen im Zusammenhang mit Vorgängen im Zürcher Rotlichtviertel rund um das sogenannte Bermuda-Dreieck im Kreis 4, wo sich zahlreiche Nachtclubs und Sexbetriebe befinden. Dort geriet unter anderem ein Nachtclub ins Visier der Behörden, nachdem Hinweise auf Kreditkartenbetrug und systematische Abzocke von Gästen aufgetaucht waren.
Die Dimension des Falls sorgte schweizweit für Schlagzeilen: Insgesamt wurden 14 Personen festgenommen, darunter fünf Polizisten der Stadtpolizei Zürich. Hausdurchsuchungen fanden sowohl im Rotlichtmilieu als auch bei Polizeibeamten statt.
Der Skandal löste eine breite Diskussion über das Verhältnis zwischen Sittenpolizei und Rotlichtmilieu aus. Kritiker stellten die Frage, wie eng einzelne Beamte mit Akteuren der Szene verbunden waren und ob es zu einem gefährlichen Verwischen der Grenzen zwischen Kontrolleuren und kontrollierter Branche gekommen war.
Der folgende Pressebericht aus den damaligen Medien dokumentiert die Ereignisse rund um die Razzien im Zürcher Nachtclub-Milieu und die Verhaftungen innerhalb der Stadtpolizei Zürich.
Weiterführende Links und Diskussionen zu diesem Thema:
Polizei & Clubbetreiber – Wie eng ist das Verhältnis wirklich?
Nachfolgend der damalige Pressebericht:
Bestechung im Sex-Club – 5 Polizisten verhaftet!
ZÜRICH - Eine grossangelegte Razzia, 14 Festgenommene, darunter 5 Mitarbeiter der Stadtpolizei. Die Zürcher Behörden haben im Milieu einen grossen Fang gemacht.
Es geht um Kreditkartenbetrug und Bestechung: Im Nachtclub Chilli's im berüchtigten Zürcher Bermuda-Dreieck im Kreis 4 schlagen die Beamten gestern zu: Im Auftrag der Zürcher Staatsanwaltschaft durchsuchen Ermittler die Räume des Nachtclubs Chili's.
Sie nehmen insgesamt neun Personen fest. Darunter den Besitzer und Mitarbeiter des Sex-Clubs mit angeschlossenem Hotel. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: «Kreditkartenmissbräuche zum Nachteil von Gästen und Freiern».
Heute folgte nun die zweite nicht minder brisante Razzia.
Die Ermittler führten Hausdurchsuchungen bei Angestellten der Stadtpolizei durch. Diese gehören alle der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikte an.
Bestechlichkeit, Begünstigung, Amtsmissbrauch
Fünf von ihnen wurden festgenommen - weitere befragt. Der Vorwurf in diesem Fall: Bestechlichkeit, Begünstigung, Amtsmissbrauch und weitere Delikte.
Haben die Beamten der Sittenpolizei ein Auge zugedrückt, wenn die Sexclub-Betreiber die Freier abzockten? Die Staatsanwaltschaft stellte weitere Informationen zum brisanten Fall für morgen in Aussicht. Wie viele der Festgenommenen schliesslich in U-Haft müssen, ist noch nicht bekannt.
«Für Zürich ist das neu»
Wie Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi sagte, ist der Fall dank verschiedener Hinweise ins Rollen gekommen. «Als sich im Zuge der internen Vorermittlungen der Verdacht erhärtete, haben wir die Staatsanwaltschaft informiert.»
Der Präsident des Stadtzürcher Polizeiverbands hat erst heute Morgen von den Vorwürfen gegen die Polizisten erfahren. «Ich bin ziemlich baff», sagt Werner Karlen zu Blick.ch. «Für Zürich ist so ein Fall neu.»
Zu Zeiten der offenen Drogenszene am Letten während den 90er-Jahren habe es zwar ähnliche Vorwürfe gegen Polizeibeamten gegeben, sagt Karlen. Es habe sich damals aber um Einzelfälle gehandelt.
Polizeivorsteher «geschockt»
«Geschockt gewesen» ist Polizeivorsteher Richard Wolff (AL), als er von den Bestechungsvorwürfen gehört hatte. Er habe sei Längerem gewusst, dass Ermittlungen laufen, konkret aber nicht gewusst, worum es geht.
Zu allfälligen personalrechtlichen Konsequenzen sagte er, die Stadtpolizisten müssten mit der Entlassung rechnen, wenn sich «schwere Vorwürfe» bestätigten. Für die Angeschuldigten gelte aber die Unschuldsvermutung.
Zusammen mit dem Polizeikommando werde nun abgeklärt, ob Regeln neu formuliert werden müssten, um Bestechungsfälle besser verhindern zu können, sagte Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements. Aber in den letzten Jahren habe es keine solche Fälle gegeben und es sei fraglich, ob aufgrund eines Einzelfalls Regeln abgeleitet werden sollten, die dann nie angewendet würden. (bih/btg/SDA)
Quelle Blick.ch

