„Es ist nur ein Job“: Stimmt das wirklich oder redet man sich das irgendwann ein?
Über die Gründe, warum Frauen überhaupt in die Prostitution einsteigen, wurde ja schon genug geschrieben. Geld, Schulden, Familie, Partner, schnelles Einkommen oder einfach die Hoffnung auf ein besseres Leben können dabei eine Rolle spielen: Warum prostituieren sich Frauen? Gründe, Motive und Wege in die Prostitution
Hier interessiert mich aber etwas anderes: Was passiert eigentlich mit einer Frau, wenn aus den geplanten paar Monaten plötzlich mehrere Jahre im Club werden?
Viele Girls sagen ja, es sei für sie einfach ein Job. Der Körper arbeite, die Gefühle bleiben draussen. Nach Feierabend ist Schluss, die Tür geht zu und privat beginnt ein anderes Leben.
Aber funktioniert das wirklich so einfach? Und vor allem über Jahre hinweg?
Kann man Körper und Gefühle wirklich dauerhaft trennen?
Ein Girl kann freundlich sein, leidenschaftlich küssen, Lust vorspielen und dem Gast das Gefühl geben, dass sie ihn in diesem Moment wirklich will. Genau für diese Illusion bezahlt der Mann ja auch.
Die Frage ist nur: Wie viel davon ist einfach professioneller Service, und wie viel muss sich die Frau irgendwann selbst einreden, damit sie das jeden Tag durchziehen kann?
Wenn ein Girl sagt: „Das macht mir nichts aus“, meint sie das dann wirklich immer so? Oder ist das manchmal einfach eine Schutzmauer, damit sie nicht ständig über schlechte Erlebnisse, überschrittene Grenzen und den ganzen inneren Widerspruch nachdenken muss?
Auch der Freier erzählt sich gerne seine eigene Geschichte
Selbstbetrug gibt es aber sicher nicht nur bei den Frauen.
Viele Freier wissen ganz genau, dass die Küsse, das Lachen, die Nähe und die angebliche Begeisterung bezahlt sind. Trotzdem wollen sie glauben, dass es bei ihnen natürlich ganz anders ist.
Dann heisst es plötzlich: „Sie mag mich wirklich“, „Das macht sie nur mit mir“ oder „Sie freut sich immer ehrlich, wenn ich komme.“
Und schon wird aus einer gut gespielten Illusion eine persönliche Wahrheit, an die man nur zu gerne glaubt.
Vielleicht funktioniert das ganze Geschäft ja genau deshalb so gut: Beide Seiten erzählen sich gegenseitig die Geschichte, die sie in diesem Moment gerade brauchen.
Wann wird aus dem Job einfach nur noch Verdrängung?
Natürlich leidet nicht automatisch jede Prostituierte unter ihrer Arbeit. Und sicher ist auch nicht jede Aussage über Selbstbestimmung nur gelogen.
Es gibt Frauen, die klare Grenzen setzen, genau wissen, was sie wollen, und mit diesem Job offenbar gut umgehen können.
Trotzdem frage ich mich, wie lange man jeden Tag körperliche und emotionale Nähe verkaufen kann, ohne dass das irgendwann Spuren hinterlässt.
Ab wann wird aus professioneller Distanz einfach nur noch Abstumpfung? Ab wann verwechselt man Gewöhnung mit Zufriedenheit? Und ab wann gehört der Satz „Ich habe alles im Griff“ schon selbst zur Illusion?
Wie erlebt ihr das bei Girls, die ihr schon über längere Zeit kennt? Wirken Frauen, die seit vielen Jahren im Club arbeiten, noch genauso locker, selbstbestimmt und überzeugt wie am Anfang?
Und mal ganz ehrlich: Wer macht sich im Club mehr etwas vor?
Das Girl, das sagt, bezahlte Leidenschaft sei für sie einfach ein normaler Beruf? Oder der Freier, der diese Leidenschaft unbedingt für echt halten will?

























