735 Jahre Schweizer Eidgenossenschaft: Freiheit, Geschichte und Verantwortung am Bundesfeiertag
Werte Eidgenossinnen, geschätzte Eidgenossen
Am kommenden Samstag 01.08.2026 ist es so weit: Seit 735 Jahren besteht unsere Schweiz. Viele Menschen vor uns haben sich dafür eingesetzt oder sogar ihr Leben dafür gegeben. Schaut in den Spiegel und seid ehrlich: Wie sieht es bei euch aus?
Abseits von Public Sex und Kokain Rausch
Zu unserem Nationalfeiertag folgt deshalb eine etwas ausführlichere Geschichtslektüre über die Entstehung unserer Heimat. Die folgenden Zeilen handeln weder davon, in welchem Club Hildegard arbeitet, noch von Public Sex, Neuzugängen, Contest-Meinungen, Verdiensten oder Kokain. Wer etwas über unser Land erfahren möchte, liest weiter. Der Rest klickt beispielsweise auf Girls mit Tattoos oder auf die Frage, welche Musik im Zimmer läuft. Anyway, it’s your choice.
Freiheit fiel nicht vom Himmel: Rütli, Morgarten und der Kampf gegen die Habsburger
Stauffacher, Fürst und von Melchtal legten den Grundstein für den Bundesbrief von 1291 und damit für die heutige Schweiz. Auch sie waren Menschen aus Fleisch und Blut, die sich gegen die invasorischen Vögte verteidigten und täglich um das Leben ihrer Familien, Freunde und Kinder fürchteten.
Nur dank dieser Männer entstanden die Talschaften Schwyz, Unterwalden und Uri. Der Bundesstaat in seiner heutigen grundlegenden Form wurde schliesslich 1848 geschaffen.
Noch heute lässt sich auf dem Dampfschiff Unterwalden, das aus der DGV Luzern von 1847 hervorging, ein Stück Nostalgie erleben. Bei einem Halt auf dem Rütli scheint sich die Zeit zurückzudrehen.
Auch wenn die lateinische Erstfassung des Bundesbriefs von 1291, die heute im Bundesbriefmuseum in Schwyz betrachtet werden kann, Interpretationsspielraum offenlässt und Friedrich Schiller später seine eigene Handschrift hinterlassen hat, schlugen unsere Vorfahren 1315 das habsburgische Ritterheer am Morgarten in die Flucht.
Mit der Errichtung der Letzimauer bei Rothenthurm gelang es den Eidgenossen, die zahlenmässig und hinsichtlich ihrer Ausrüstung überlegenen Habsburger strategisch einzuengen. Diese mussten nun über den Sattel entlang des Ägerisees in Richtung Schwyz marschieren. Der Turm dieser Letzimauer, der Letziturm, steht noch heute und kann besichtigt werden.
An unserem Bundesfeiertag gedenken wir der Verteidiger unserer Heimat und unseres Vaterlandes.
Wohlstand ohne Dankbarkeit: Wissen wir überhaupt noch, wie gut es uns geht?
Wenn wir unsere Nachbarländer und andere Staaten auf der ganzen Welt betrachten, leben wir in einer privilegierten Umgebung. Insgesamt geht es uns sehr gut. Wir verfügen über saubere Luft, klares Wasser, eine intakte und leistungsfähige Infrastruktur, eine tiefe Staatsverschuldung, eine stabile Währung, eine geringe Inflation und zahlreiche politische Mitbestimmungsrechte.
Diese Grundlagen wurden uns von den Verfechtern und Gefallenen des Sonderbundskrieges von 1847 hinterlassen und mit der Bundesverfassung von 1848 in die Wiege gelegt. Damals wandelte sich die Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat. In zahlreichen Ländern werden wir um diese Privilegien beneidet und dafür respektiert.
Bundesbrief, Rütlischwur und Nationalfeiertag: Auch nationale Mythen haben Brüche
Der Bundesbrief von 1291 galt allerdings nicht immer als eigentliche Gründungsurkunde. Bis 1891 wurde dem Bundesbrief von Brunnen aus dem Jahr 1315 teilweise Vorrang eingeräumt. Auch der Gründungsschwur auf dem Rütli wird im Bundesbrief von 1291 nicht erwähnt.
Dennoch wurde der 1. August 1899 zum offiziellen Bundesfeiertag der Eidgenossenschaft und damit zum Nationalfeiertag der Schweiz.
Das Schweizerkreuz ist kein Dekorationsartikel: Wie Fahne und Landesname entstanden
Seit dem Laupenkrieg von 1339, bei dem zahlreiche Flaggen und Banner der eidgenössischen Teilheere auf dem Schlachtfeld zu sehen waren, wurde zur besseren Erkennung der eigenen Truppen und als Zeichen der Verbundenheit eine einheitliche Flagge notwendig. Dies war die Geburtsstunde unserer Fahne mit dem weissen Kreuz auf rotem Grund.
Da die damalige Region um Schwyz politisch, wirtschaftlich und militärisch vermutlich die stärkste war, wurde die Eidgenossenschaft später als Schweiz beziehungsweise nach den Schwyzern benannt. Damit geht auch der Name unseres Landes wahrscheinlich auf einen der Ur- und Gründungskantone zurück.
Freiheit geerbt, Verantwortung verdrängt: Was bleibt von 735 Jahren Schweiz?
Confoederatio Helvetica sorgt dafür, dass keine unserer vier Landessprachen bevorzugt oder benachteiligt wird. Gleichzeitig erinnert die Bezeichnung an die Männer und Frauen keltischer Abstammung, die unser Gebiet bereits vor rund 2000 Jahren besiedelten.
Unser Land besitzt eine umfassende und lange Geschichte. Vergessen wir nicht, dass wir durch blutige Auseinandersetzungen, Landesstolz, tiefen Glauben, Streitigkeiten und langjährige Verhandlungen aus einer gemeinsamen Wurzel seit 1291 zu einem Bundesstaat gewachsen sind.
Auch wenn Friedrich Schiller bei seinen Worten wohl etwas ausgeschweift ist, besitzen sie bis heute etwas Tiefgründiges, Bewahrendes und Bewegendes:
Wir wollen frei sein, wie unsere Väter es waren. Eher den Tod als die Unterdrückung ehren. Wir wollen ein einzig Volk von Brüdern und Schwestern sein und uns in keiner Not und Gefahr trennen.
Nationalfeiertag ohne Höhenfeuer: Die Eidgenossenschaft lebt trotzdem
Ich wünsche allen einen schönen, ereignisreichen und geschichtsbewussten Bundesfeiertag. Auch wenn die Höhenfeuer und Feuerwerke am 1. August infolge der meteorologischen Bedingungen faktisch im ganzen Land nicht stattfinden können:
Es lebe die Eidgenossenschaft!































Und eine gute Tabakrolle bei netter Gesellschaft und natürlich noch zu "Bademantelverträglichen Zeiten" wäre nach den vergangenen stressigen Wochen auch nicht falsch.