Hier meine 1. Augustrede für den History Club und seine Angestellten
Im Schatten wacht das Licht
Liebe Freunde, Besucher und Angestellte des History Clubs, geschätzte Gäste,
heute stehen wir nicht nur unter dem Himmel der Schweiz. Wir stehen unter den Sternen der Erinnerung.
Der 1. August ist mehr als Feuerwerk und Fahnen. Er ist ein Tag der Frage: Wer wacht über das, was uns verbindet?
Wenn ich heute spreche, dann nicht als Held, nicht als Richter, sondern im Geiste eines Wächters – eines Dark Angels, der durch die Dunkelheit geht, damit andere das Licht nicht verlieren. Die Geschichte unseres Landes wurde nicht nur von Generälen, Politikern und Chronisten geschrieben. Sie wurde auch von den Namenlosen getragen: von Arbeitern, Reisenden, Ausgegrenzten, Suchenden und jenen, die oft nur im Schatten der Gesellschaft gesehen werden. Darum danke ich heute auch dem History Club. Ihr erinnert uns daran, dass Geschichte nicht aus toten Daten besteht. Sie lebt in Gesprächen, in Erinnerungen, in Geschichten, die sonst verloren gingen. Ein Land ohne Erinnerung ist wie ein Wächter ohne Augen.
Und ich möchte heute bewusst auch jene erwähnen, die selten an einer offiziellen Feier genannt werden: die Sexarbeiterinnen aus Rumänien, die in unserer Mitte leben und arbeiten. Zu oft werden Menschen auf ihre Tätigkeit reduziert. Doch hinter jeder Frau steht ein Mensch mit einer Geschichte: mit Hoffnung, mit Familie, mit Entbehrungen, mit Mut. Manche haben ihre Heimat verlassen, um Angehörige zu unterstützen, um ein besseres Leben zu suchen oder schlicht zu überleben.
Ein wahrer Wächter schützt nicht nur die Starken und Angesehenen. Er schützt auch die Würde derjenigen, die leicht übersehen werden. Der 1. August erinnert uns an den alten Gedanken der Eidgenossenschaft: Zusammenhalt trotz Unterschiedlichkeit.
Der History Club bewahrt die Vergangenheit. Die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, prägen die Gegenwart. Und wir alle tragen Verantwortung für die Zukunft. Lasst uns deshalb nicht nur Mauern aus Stein bauen, sondern Brücken aus Respekt. Ein Dark Angel kennt die Dunkelheit. Er weiß, dass Angst, Einsamkeit und Vorurteile real sind. Doch seine Aufgabe ist nicht, die Dunkelheit zu verherrlichen, sondern in ihr standzuhalten und ein kleines Licht zu bewahren. Wenn heute die Feuer des Nationalfeiertags brennen, dann sollen sie uns daran erinnern:
- dass Freiheit ohne Mitgefühl leer ist,
- dass Geschichte ohne Menschlichkeit gefährlich wird,
- und dass Würde keinem Menschen abgesprochen werden darf.
Mögen wir Wächter sein – nicht über Grenzen allein, sondern über Respekt, Erinnerung und Menschlichkeit.
Für die Schweiz.
Für die Wahrheit der Geschichte.
Für die Würde jedes Menschen, der unter diesem Himmel lebt.
Es lebe die Schweiz.
Vielen Dank.
























